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Sonnenfotografie leicht gemacht - eine Anleitung zum Einsteigen

In diesem Guide erfahren Sie, wie Sie erfolgreich Sonnenflecken und die Sonnenoberfläche fotografieren.

Baader Astro Solar Filter Natur

Für die Auswürfe, auch Protuberanzen genannt, ist eine andere Aufnahmetechnik und vor allem auch ein spezielles Teleskop nötig. In diesem Beitrag geht es um die reine Sonnenfotografie im Weißlicht.

Wichtige Information am Anfang:
Die Sonne darf nie ungeschützt beobachtet oder fotografiert werden. Das starke Sonnenlicht zerstört sonst Ihre Ausrüstung und schädigt Ihre Augen dauerhaft. Auch der Sucher einer Spiegelreflexkamera ist bereits problematisch. Wichtig ist, dass der Filter immer satt und stabil vor der Öffnung des Teleskops oder Objektivs sitzt. Filterungen vor oder hinter dem Okular reichen nicht aus und können Ihr Teleskop oder Ihre Augen ebenso stark schädigen.

So bereiten Sie sich auf die Sonnenfinsternis vor

Um die Sonne zu fotografieren, benötigen Sie eine Kamera mit Stativ, ein Teleskop oder Objektiv und einen Sonnenfilter. Falls Sie mit hoher Brennweite fotografieren wollen, wird noch eine motorisierte Nachführung benötigt, welche die scheinbare Bewegung der Sonne ausgleicht.

Welchen Filter benötige ich genau? Messen Sie den Durchmesser der Gegenlichtblende/Taukappe bzw. den Objektiv-Außendurchmesser. Nicht zu verwechseln mit dem Linsen- oder Spiegeldurchmesser!

Anschließend können Sie aus den folgenden Filtern den Durchmesser wählen, welcher im verstellbaren Bereich erreichbar ist: https://www.astroshop.de/filterfolien-in-fassungen/omegon-sonnenfilter-helievo-60-44-68mm-/p,86737
Der Filter wird über die Öffnung der Optik geklemmt.

Haben Sie den richtigen Filter gefunden? Falls nicht, kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail und wir helfen Ihnen, den passenden Filter zu finden.

Wann, wo und wie die Sonne fotografieren?

Da die Luftunruhe unser größter Feind ist, sollte es natürlich komplett wolkenfrei sein und die Sonne sollte am höchsten stehen, da hier die Atmosphäre am wenigsten flackert. Bei besonderen Events wie einer Sonnenfinsternis lässt sich das manchmal nicht vermeiden, jedoch sollte man sich an diese Regel halten, wenn gerade kein Event ansteht.

Ist der Filter angebracht und die Kamera sowie das Stativ oder die Montierung aufgestellt, kann man nun auf die Sonne schwenken.
NICHT ERST AUF DIE SONNE SCHWENKEN UND DANN DEN FILTER ANBRINGEN.
Bitte auch während der Aufnahme oder in den Pausen dazwischen den Filter nicht abmontieren. Die Sonne wird durch den Filter stark abgedunkelt, was das Suchen mit hohen Brennweiten gar nicht so leicht macht. Sie können entweder mit einem speziellen Sonnensucher arbeiten, welcher an der Optik montiert ist, oder Sie nutzen den Schatten-Trick. Ziel bei diesem Trick ist es, dass der Schatten von Teleskop/Objektiv und Kamera so klein wie möglich auf den Boden geworfen wird. Dabei können Sie immer wieder im Live-Modus der Kamera prüfen, ob die Sonne schon zu sehen ist. 

Nutzen Sie dafür einen hohen ISO-Wert oder lange Belichtungszeiten im Video-/Live-Modus. So können Sie die Sonne schnell und unkompliziert finden. Ist die Sonne immer noch nicht zu sehen, liegt das manchmal am Fokus. Daher empfehle ich, vorher den Filter abzunehmen, auf etwas in der Ferne manuell zu fokussieren, dann den Filter anzubringen und erst dann auf die Sonne zu schwenken.

Wann, wo und wie die Sonne fotografieren?

Haben Sie die Sonne erfolgreich gefunden? Dann kommen wir zum nächsten Schritt.

Es gibt nur zwei Gründe, warum Ihr Bild unscharf sein kann:

1.Der Fokus stimmt nicht.
2.Die Luftunruhe und Verwirbelungen machen das Bild unscharf.

Deswegen wird die Sonne im besten Fall nicht als Einzelbild aufgenommen, sondern als Video:

Der Grund dafür ist, dass ein Video in kurzer Zeit viele Bilder aufnehmen kann. Der Vorteil: Die Luftunruhe wird praktisch eingefroren. Mit mehreren Bildern ist außerdem die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein Moment eingefangen wird, in dem die Luftunruhe gerade sehr gering ist. Diese Aufnahmetechnik nennt sich „Lucky Imaging“. Auch im Live-Modus lässt sich dann besser fokussieren. Sie werden schnell merken, wie unterschiedlich scharf die Sonne abgebildet wird und wie sich dies in wenigen Sekunden stark ändert. Um den Fokus perfekt zu treffen, muss etwas Fingerspitzengefühl und Geduld eingeplant werden. Falls Sie eine längere Beobachtungs- oder Fotografiesession planen, beachten Sie, dass sich der Fokus auch verändern kann, da die Optik trotzdem warm wird (besonders bei schwarzen Tuben) und sich somit ausdehnt, was wiederum Einfluss auf den Fokus hat.

Stellen Sie Ihre Kamera also auf die höchste Bildrate (30fps oder 60fps) und starten Sie die Aufnahme. Gut wäre es, wenn Ihre Kamera mindestens Full HD, also 1080p, schaffen würde. Falls nicht, können Sie auch eine Serienaufnahme starten und viele Bilder in voller Auflösung aufnehmen. Ein guter Startwert sind mindestens 100 RAW-Bilder.

Die Vorverarbeitung / Bildbearbeitung

Ist die Sonne im Kasten und die Bilddaten/Videos gesammelt, geht es weiter mit dem entscheidenden Punkt: dem Stacking und der Bildbearbeitung.

Dafür empfehle ich die Software Autostakkert! (https://www.autostakkert.com/) Diese ist kostenfrei und funktioniert relativ einfach.

Die Vorverarbeitung / Bildbearbeitung
  • Laden Sie das Video oder alle Fotos in die Software, drücken Sie hierzu auf “Open”.
  • Bei der Einstellung “Image Stabilisation” wählen Sie “Surface”.
  • Die Optionen “Dynamic Background”, “Local AP” und auch “Double Stack Reference” sollten aktiviert sein.

Wählen Sie als Ausgangsformat eine .tif-Datei und bei “Frame Percentage to stack” 20%

Die Prozentzahl definiert, wie viel Prozent aller Bilder zu einem scharfen Bild verarbeitet werden. Sprich: Bei 100 Bildern wären das dann 20 Bilder. Die Software analysiert jedes Bild einzeln und sortiert diese nach Schärfe und Helligkeit. Daher ist es von so großem Vorteil, wenn viele Bilder aufgenommen werden – Stichwort Video!.

Drücken Sie anschließend auf “Analyse”.

Nachdem die Analyse durchgeführt wurde, wählt man im anderen Fenster “Place AP grid”.

So sollte es dann circa aussehen So sollte es dann circa aussehen

Der letzte Schritt ist, noch auf “Stack” zu drücken. Damit starten Sie den Vorgang. Nach einigen Minuten, je nach Rechenleistung des PCs, können Sie dann schon ein fertiges, scharfes Sonnenbild sehen, welches Sie anschließend in einer anderen Software noch weiter bearbeiten können. Ich empfehle Ihnen, mit den Einstellungen auszuprobieren; auch ein "Drizzle" oder das Schärfungstool sind wertvolle Parameter.

Ich hoffe Sie haben nun Lust bekommen, Ihre eigenen Sonnenbilder aufzunehmen und zu verarbeiten.Viel Freude dabei! Wenn Sie fragen haben, schreiben Sie uns oder wenden Sie sich an unsere Fachabteilung.

Sonne Magazin.png

Autor: Marc-Antonio Fischer

Marc-Antonio, auch online bekannt als astronomical_horizon ist leidenschaftlicher Astrofotograf mit einem Fokus auf schnelle Spiegelteleskope. Seine Spezialität: kleine planetarische Nebel. Abseits der Sterne schlägt sein Herz für die Botanik. Die heimische Flora kennt er wie seine Westentasche (auch wenn er auf dem Bild keine Weste trägt). Und sollte dann noch Zeit übrig sein, greift er zur E-Gitarre.