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Praxis

Schräges am Mondrand

Im Südwesten des Mondes erscheint ein wahrhaftig schräger Einschlag nahe dem Mondrand - wie ist er entstanden?

Schiller ist mit einem Durchmesser von 70km×180km stark elliptisch. NASA/GSFC/Arizona State University Schiller ist mit einem Durchmesser von 70km×180km stark elliptisch. NASA/GSFC/Arizona State University

Wenn wir den Mond beobachten, sind das bevorzugte Beobachtungsziel die zahlreichen Krater. Sie erscheinen in den unterschiedlichsten Größen und Formen; viele von ihnen sehen oval aus. Tatsächlich sind Mondkrater aber in der Regel von runder Gestalt und lediglich aufgrund der perspektivischen Verzerrung wirken sie mehr oder weniger oval. Eine prominente Ausnahme ist jedoch ein wahrhaftig schräger Einschlag nahe dem Mondrand im südwestlichen Quadranten. Mit einer Ausdehnung von 70km×180km ist diese Struktur tatsächlich stark elliptisch – und das kommt nicht von ungefähr.

Gigantischer Schuhabdruck

Auffallend ist auch das langgestreckte Gebirge in der nordwestlichen Hälfte des Kraters. NASA/GSFC/Arizona State University Auffallend ist auch das langgestreckte Gebirge in der nordwestlichen Hälfte des Kraters. NASA/GSFC/Arizona State University

Die Längsachse des Kraters verläuft in Nordwest-Südost-Richtung. Schiller scheint aus wenigstens zwei Hauptkratern zu bestehen, wobei der Durchmesser nach Südosten anwächst. Der Komplex wirkt so wie eine Verbindung von wenigstens zwei Kratern. Man könnte die Form Schillers mit einem überdimensionalen Schuhabdruck vergleichen. In der nordwestlichen Hälfte findet sich ein ebenso ungewöhnlicher Gebirgszug. Dieser erscheint langgestreckt und zweigeteilt.

Einschlag aus flachem Winkel

Im Laufe der Zeit entstanden viele Theorien zur Entstehung von Schiller. In Betracht gezogen wurde ein vulkanischer Ursprung oder der Einschlag von gleich mehreren Himmelskörpern, bei denen sich die Einschläge überlappen und die nachfolgende Überflutung mit Lava die Kraterwälle verschwinden ließ. Heute wird angenommen, dass ein streifender Einschlag mit niedriger Geschwindigkeit in einem Winkel von kleiner als 3 Grad die typische Form des Kraters verursacht hat. Bei diesem Szenario erzeugt ein einzelner Krater eine Reihe von elliptischen und sich überlagernden Vertiefungen.

Die längliche Form Schillers konnte bei Versuchen der NASA während der 1970er Jahre reproduziert werden. Bei diesen künstlich erzeugten Kratern entstand sogar wie im Original der längliche Gebirgszug. Krater von stark elliptischer Form sind ebenfalls auf dem Mars gefunden worden. Dessen Verursacher könnten Himmelskörper in der Größe der Marsmonde Phobos (27km×22km×19km) und Deimos (15km×12km×11km) sein, die in immer flacher werdenden Umlaufbahnen schließlich auf die Marsoberfläche aufschlugen. So stellt Schiller möglicherweise die Einschlagstelle eines ehemaligen kleinen Trabanten des Mondes dar.

Beste Sichtbarkeit 12 oder 25 Tage nach Neumond

Autor: Lambert Spix / Lizenz: Oculum-Verlag GmbH