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Partielle Mondfinsternis am 28. August 2026: Dunkler Mond im Morgengrauen

Kurz vor sechs Uhr früh. Der Himmel im Westen färbt sich schon rosa, über dem Horizont hängt ein verfinsterter Mond. Daneben leuchtet ein schmaler, heller Rand. Und im Rücken fangen die ersten Vögel an zu singen.

Bild: Die totale Mondfinsternis vom 27.07.2018 beim Austritt aus dem Kernschatten Bild: Die totale Mondfinsternis vom 27.07.2018 beim Austritt aus dem Kernschatten

Kurz nach der Sonnenfinsternis liefert der August ein weiteres Highlight: eine partielle Mondfinsternis am Morgen. Tja, im Moment hat der Himmel so einiges zu bieten. Aber ausgerechnet in aller Frühe?

Das Universum fragt dummerweise vorher niemanden. Also am besten vorschlafen, dann einen leckeren Kaffee für den Morgenkick und raus in die Natur. Denn am frühen Freitagmorgen – am 28. August – taucht der Vollmond fast vollständig in den Erdschatten ein. Mit einem Bedeckungsgrad von 96,2 % ist es eine außergewöhnlich tiefe partielle Mondfinsternis. Nur wenige Prozent des Monddurchmessers entgehen dem Kernschatten. Im Gegensatz zu einer Sonnenfinsternis genießt du eine Mondfinsternis völlig ohne Schutzbrille und gefahrlos.

Die Mondfinsternis am 28. August 2026 auf einen Blick:

- Eintritt in den Halbschatten: 3:24 Uhr MESZ, sichtbar höchstens als zarter Grauschleier
- Beginn der partiellen Phase: 4:33 Uhr MESZ
- Maximum: 6:12 Uhr MESZ mit 96,2 Prozent Bedeckungsgrad
- Monduntergang: je nach Standort zwischen 6:12 und 6:47 Uhr MESZ
- Blickrichtung: West, freier Horizont
- Ausrüstung: das bloße Auge genügt, Fernglas oder Teleskop zeigen mehr

Ein fast perfekter Kupfermond

Aber mal zurück zu den Basics: Was passiert da eigentlich?

Bei einer Mondfinsternis stehen Sonne, Erde und Mond fast in einer Linie. Die Erde liegt dann genau zwischen der Sonne und dem Mond. Das passiert aber nicht bei jedem Vollmond, sondern nur, wenn der Mond gerade nahe an einem Knotenpunkt seiner Bahn steht. Dort schneidet die Mondbahn die Ebene der Erdbahn.

Die Erde wirft dann einen Schatten, der über eine Million Kilometer in den Weltraum reicht, sich im Verlauf aber kegelförmig zuspitzt. In der Entfernung des Mondes ist der Erdschatten etwa 9.200 Kilometer breit. Da passt der Mond also theoretisch mehrfach rein.

Ein kleines bisschen verpassen sich Mond und Schattenmitte dann aber doch. Denn am 28. August 2026 trifft unser Trabant den Erdschatten nicht ganz zentral: Ein schmaler Rand entkommt. In der maximalen Phase bleibt davon eine helle Sichel übrig. Der verfinsterte Teil wird nicht einfach schwarz, sondern leuchtet ansatzweise in der Farbe Kupferrot. Ob du das bemerkst, hängt von den Bedingungen ab. Im Fernglas und auf dem Foto zeigt sich die Farbe deutlicher als mit bloßem Auge.

Ein Wettlauf gegen die Dämmerung

In Europa findet die Mondfinsternis in der zweiten Nachthälfte und – wie gesagt – während der Morgendämmerung statt. Weil der Vollmond und die Sonne sich gegenüberstehen, geht der Mond genau dann im Westen unter, wenn die Sonne im Osten aufgeht. Deshalb ist es wichtig, dass du dir für die Mondfinsternis eine freie Sicht zum westlichen Horizont suchst.

Okay, lass uns die Dramaturgie der Uhrzeiten noch mal ein bisschen plastischer nachvollziehen, als Ergänzung zur obigen Liste: Die partielle Phase der Mondfinsternis beginnt in Deutschland um 4:33 Uhr MESZ. Dann schiebt sich der dunkle Kernschatten der Erde erstmals sichtbar über den Vollmond. Eine gute Stunde vorher, ab 3:24 Uhr, wandert der Mond schon durch den Halbschatten. Davon siehst du höchstens einen zarten Grauschleier. Die maximale Bedeckung folgt dann gegen 6:12 Uhr MESZ. Dann sind rund 96 % der Mondfläche vom Kernschatten bedeckt. Das ist ein echter Wettlauf mit der Dämmerung. Spoiler: die Dämmerung gewinnt. Sorry, ich wollte das Ende nicht vorher verraten, aber ich dachte, du solltest wissen, worauf du dich einlässt.

Denn während der Mond im Westen immer tiefer sinkt, steigt im Osten die Sonne. Sie geht in Deutschland etwa zwischen 6:10 Uhr und 6:40 Uhr auf. Das Ganze natürlich begleitet von Vogelgezwitscher. Wann genau der Mond untergeht, hängt allerdings von deinem Standort ab. Zwischen Wien und Köln liegen gut 35 Minuten. Und genau das entscheidet darüber, ob du das Maximum um 6:12 Uhr überhaupt noch zu sehen bekommst:

- Wien: Monduntergang 6:12 Uhr, Sonnenaufgang 6:06 Uhr
- Berlin: Monduntergang 6:16 Uhr, Sonnenaufgang 6:10 Uhr
- Hamburg: Monduntergang 6:29 Uhr, Sonnenaufgang 6:21 Uhr
- München: Monduntergang 6:32 Uhr, Sonnenaufgang 6:25 Uhr
- Zürich: Monduntergang 6:46 Uhr, Sonnenaufgang 6:39 Uhr
- Köln: Monduntergang 6:47 Uhr, Sonnenaufgang 6:39 Uhr

In Wien und Berlin steht die Mondscheibe zum Maximum also praktisch schon auf dem Horizont. In Köln und Zürich hast du immerhin noch rund vier Grad Höhe übrig.
Übrigens: Offiziell endet die partielle Phase erst um 7:52 Uhr MESZ. Da steht der
Mond bei dir längst unter dem Horizont.

Such dir den richtigen Platz

Suche dir einen schönen Platz mit Blick in Richtung Westen. Schon ein Baum oder ein Hausdach stört bei wenigen Grad über dem Horizont. Wähle deinen Beobachtungsplatz also weise. Ein leicht erhöhter Standort hilft zusätzlich. Für die Beobachtung reicht schon das bloße Auge. Aber ein persönlicher Tipp: Durch ein Fernglas oder durch ein Teleskop siehst du die Details noch viel besser.

Fotografisch die Mofi einfangen

Diese Grafik soll illustrieren, wie groß der Mond auf dem Bild erscheint. Diese Grafik soll illustrieren, wie groß der Mond auf dem Bild erscheint.

Ein Kupfermond über der Dämmerungslandschaft: Dieses Motiv bekommst du selten vor die Linse. Eine Herausforderung ist der Helligkeitsunterschied zwischen der strahlenden Restsichel und dem dunkleren Schattenbereich des Mondes. In der ganz frühen Phase der Mondfinsternis, wenn der Mond noch höher steht, lohnen sich Detailaufnahmen mit höherer Brennweite oder einem Teleskop. Später, wenn die Dämmerung einsetzt, wird die Landschaft im Bild interessant. Vielleicht mit einer passenden Silhouette eines Baumes, der in der Nähe steht? Das gibt ein starkes Motiv.

Welche Kameraeinstellungen brauchst du?

- Fokus: manuell
- Dateiformat: RAW
- Helle Restsichel: ISO 100 bis 200, Blende f/8, rund 1/125 Sekunde
- Verfinsterter Bereich: ISO 800 bis 1600 und mehrere Sekunden Belichtungszeit
- Fernauslöser oder Selbstauslöser
- Je nach Brennweite: Kamera auf Stativ, Kamera auf Reisemontierung oder Teleskop

Mit Weitwinkelobjektiven oder bis etwa 200 mm Brennweite nimmst du den Mond zusammen mit der Landschaft auf. Das ist vor allem sinnvoll, wenn der Mond relativ dicht über dem Horizont steht. Wie groß die Mondscheibe dabei auf deinem Sensor landet, zeigt dir die Grafik. Achte vor allem auf die Millimeterzahlen für den Durchmesser: Bei 200 mm misst sie auf Vollformat gerade einmal 1,7 Millimeter. Deutlich größer wird der Mond erst ab rund 1.000 mm. Nimm am besten von den jeweiligen Phasen Belichtungsreihen auf.

Wenn nur noch ein kleiner Mondrand zu sehen ist, machst du sowohl eine kurz belichtete Aufnahme als auch eine lang belichtete, um den dunklen Bereich der Mondstrukturen sichtbar zu machen.

Wenn du mit Teleobjektiven arbeitest, helfen dir die Omegon MiniTrack oder der Segugio-Tracker. Diese beiden Reisemontierungen führen deine Kamera genau nach und du erhältst scharfe und punktgenau nachgeführte Mondfotos.

Und dann war es das mit den Finsternissen für dieses Jahr. Denn die Sonnenfinsternis am 12. August und die Mondfinsternis am 28. August gehören zusammen.

Ich wünsche dir ein schönes Schattenspiel und einen tollen Start in den Tag.

Autor: Marcus Schenk

Marcus ist Sterngucker, Content Creator und Buchautor. Seit 2006 hilft er Menschen, das richtige Teleskop zu finden - heute über Texte und Videos. In seinem Buch "Mein Weg zu den Sternen für dummies Junior" zeigt er jungen und junggebliebenen Leuten, was sie am Himmel entdecken können. 

Als Kaffee-Junkie hätte er am liebsten seine Siebträger-Espressomaschine auch unter dem Sternenhimmel dabei.